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Thüringer Spitzenkandidat im Interview

22.07.2014 - TLZ, B. Hilder, H. Kaczmarek

Björn Höcke ist Spitzenkandidat für die Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl in Thüringen.

Ein neues Dienstethos für die Politik, mehr preußische Tugenden und die Drei-Kinder-Familie als politisches und gesellschaftliches Leitbild: Es sind nicht alltägliche

Forderungen, die Björn Höcke, Landtags-Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD), an die Politik hat. Er spricht von einer "historischen Mission" seiner Partei.


Herr Höcke, Sie haben nach den jüngsten Umfragen gute Chancen, in den Landtag einzuziehen. Aber viele sagen auch, eine Partei, in der es so viele interne Querelen gibt, ist nicht parlamentstauglich.
In einer Partei, die es erst seit etwas mehr als einem Jahr in Thüringen gibt, sind gruppendynamische Prozesse ganz normal. Die Menschen, die sich für die gemeinsame Sache engagieren, müssen sich erst einmal in all ihrer Unterschiedlichkeit kennen lernen, Erfahrungen miteinander machen.


Sie reden natürlich die Turbulenzen mit dem Ausdruck gruppendynamischer Prozess auch schön. Ein ganzer Kreisverband in Altenburg ist Ihnen verloren gegangen, die Landesvorsitzenden hielten sich nur wenige Monate im Amt, es gab schwere Auseinandersetzungen. Alles nur Gruppendynamik?
Ja. Und die personelle Diskontinuität, die Sie gerade beschreiben, sehe ich in dieser Schärfe nicht. Sondern? Es gibt sehr viel personelle Kontinuität. Ich gehöre beispielsweise zu den Gründungsvätern der AfD in Thüringen. Im jetzigen Landesvorstand sitzen immer noch drei Gründungsmitglieder und viele andere arbeiten weiter aktiv mit.


Wie viele Mitglieder haben Sie jetzt in Thüringen?
Etwa 350.


Wie grenzen Sie sich von Ex­tremisten, vor allem Rechtsextremisten, ab?
Jeder Antragsteller füllt einen Fragebogen aus, in dem auch frühere Parteimitgliedschaften abgefragt werden. Die Kreisvorstände führen dann Aufnahmegespräche, in denen es um die politische Motivation und das politische Herkommen geht.


Das hört sich für mich dann doch nach Gesinnungsgesprächen an.
Nein, es geht um die politische Motivation. Das ist, denke ich, das Recht jeder politischen Partei.


So richtig ist der Zug für die AfD zumindest mitgliedermäßig noch nicht abgefahren.
Aber er rollt jetzt. Nach der Europawahl haben wir sehr viele Anfragen erhalten. Die AfD wird jetzt als Kraft wahrgenommen, die auch die Möglichkeit hat, Politik zu beeinflussen.


Profitieren Sie in Thüringen mehr vom bundespolitischen Trend?
Ja, natürlich. Die AfD hat ihren Ursprung in den bundespolitischen Themen, im Widerstand gegen die Euro-Rettungspolitik und den EU-Zentralismus.


Sie kritisieren aber auch das Parteiensystem?
Selbstverständlich. Anfang der 90er Jahre hat bereits Friedrich von Weizsäcker davon gesprochen, dass der Staat ein Raub der Parteien geworden sei. Wir treten an als Demokratie-Erneuerer, wir wollen diese Demokratie wieder lebendiger machen. In der wachsenden Politikverdrossenheit der Bürger sehen wir eine Gefahr.


Sie profitieren von den großen Themen. Aber für uns ist noch nicht erkennbar, was denn die AfD hier im Land anders machen will.
Thüringen ist ein politischer Sumpf. Und dieser Sumpf breitet sich immer weiter aus. Allein um seine Ausbreitung zu stoppen, würde sich der Wahlkampf schon lohnen.


Was wollen Sie denn? Den Sumpf austrocknen?
Wir wollen der Politik ein neues Dienstethos einpflanzen. Und zwar nicht als Berufspolitiker, sondern als Staatsbürger, die schon in vielen anderen Bereichen Lebenserfahrung gesammelt haben.


Was bedeutet denn vor diesem Hintergrund Ihr eben zitiertes Dienstethos?
Dass wir nicht uns, sondern unserem Land und vor allem unseren Kindern dienen. Wenn wir diesen Geist transportieren können, haben wir etwas für eine lebendige Demokratie ebenso getan wie für den Abbau der Politikverdrossenheit.


Setzen Sie sich aber nicht mit Ihren Thesen erst auf den Zug der Politikverdrossenheit drauf?
Warum?


Wenn Sie beispielsweise sagen, Thüringen ist ein politischer Sumpf, dann bedienen Sie doch Stammtischparolen, oder?
Für mich ist das kein Vorurteil, sondern diese Einschätzung ist Fakt. Diese Parteiendemokra­tie""nährt doch bisher einen ­Typus von Berufspolitiker, der selten über eine ausreichende Berufserfahrung verfügt, der aber schon sehr früh gelernt hat,"sich in der Politik hochzudienen, entsprechende Seilschaften zu pflegen, um seine eigene Stellung im System zu erhalten.


Wenn Sie vom Dienstethos sprechen, drängt sich die Frage auf, welche Tugenden Sie noch meinen?
Ich bin ein großer Anhänger der preußischen Tugenden. Ganz zentral ist für mich neben dem Dienst- auch das Pflichtethos. Wir möchten, dass der Politiker sich als Diener seines Landes versteht. Zu den preußischen Tugenden zählen aber auch Pflichtgefühl, Redlichkeit, Fleiß, sachlicher Ehrgeiz und Gerechtigkeitssinn. Sie müssen wieder zum selbstverständlichen Wertmaßstab werden.


Wenn Sie von der Parteiendemokratie reden, die Sie ändern wollen, stellt sich die Frage, wollen Sie unser politisches System ändern?
Nein, wir wollen es nicht ändern. Wir wollen es verlebendigen durch die Implementierung direkt-demokratischer Elemente.


Manche Ihrer Positionen sind umstritten und unterscheiden sich auch in den einzelnen Landesverbänden. In Sachsen hat man beispielsweise beschlossen, dass es einen gewissen Anteil deutscher Lieder im Rundfunk geben soll. Unterstützen Sie das?
Ich würde mich freuen, wenn es so wäre. Ich weiß aber nicht, ob solche Zwangsquoten, wie es sie beispielsweise in Frankreich gibt, wirklich Sinn machen. Aber klar ist: Wir sollten sorgsam mit unserer Sprache als einem wesentlichen Teil unserer Identität umgehen. Die Frage nach der Identität ist die zentrale Frage der Menschheit im 21."Jahrhundert.


Gehört der Islam zu Deutschland, wie es Christian Wulff mal gesagt hat?
Für mich ist der Islam in seiner jetzigen Form etwas, was mit unseren mitteleuropäischen Ansprüchen gerade nach der Aufklärung nicht kompatibel ist.


Ist also in Ihren Augen Multikulti gescheitert?
Ich bin da ausnahmsweise ganz nah bei Frau Merkel: Multikulti ist mausetot.


Weiterlesen in der Thüringischen Landeszeitung

 

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