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Hans-Olaf Henkels erster Tag im Parlament

07.07.2014 - Tagesspiegel, Sidney Gennies

Nun ist er dort, wo er niemals hinwollte. Irgendwo in den betongewordenen Verästelungen der Europapolitik. 60 Meter hoch. 17 Etagen. 1133 Büros.

Das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg wirkt auf Neuankömmlinge wie Hans-Olaf Henkel verwirrend.

Es ist der erste Tag der neuen Legislaturperiode. Der Tag der konstituierenden Sitzung. Für Hans-Olaf Henkel ist es der erste Tag als Politiker überhaupt.

Etwas verloren steht er auf der kleinen Brücke, die die Plenarsaalebene mit den Fraktionsräumen verbindet und sieht sich um. Seit die Alternative für Deutschland, die AfD, mit sieben Prozent ins EU-Parlament eingezogen ist, ist auch ihr Spitzenkandidat Henkel gewählter Volksvertreter.

Wie seine Partei muss er nun erst einmal seinen Platz im Herzen Europas finden. Genauer: Raum T08047, sein Büro.

„Es ist ein potemkinsches Dorf hier, grotesk, so wie ich es erwartet hatte“, sagt Henkel. So recht überrascht das harsche Urteil nicht. Schließlich ist das EU-Parlament die Verkörperung dessen, wogegen sich die AfD in ihrem Programm stellt. Den Euro, Bürokratie, europäische Integration – mehr, nicht weniger Europa. „Da müssen wir jetzt irgendwie durch“, sagt Henkel, zeigt auf eine der zahllosen Abzweigungen und geht voran.

Der 74-Jährige hat sich einiges von seiner Aura als ehemaliger Wirtschaftsboss erhalten. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, randlose Brille. Äußerlich fällt Henkel im EU-Betrieb kaum auf. Und doch ist er eine Art Geisterfahrer der Politik, der nicht vom Parlament in die Wirtschaft wechselt, sondern umgekehrt. So jedenfalls sieht Henkel das. Er war Manager bei IBM und als Deutschlandchef zuständig für 30 000 Mitarbeiter. Später Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, dem BDI. Ein Mann, der sein Leben dem Wettbewerb verschrieben hat. Ist er hier richtig?


Das Büro: unberührt
Das Büro ist nicht abgeschlossen. Henkel tritt ein, läuft einmal im Kreis. Das Zimmer ist nur wenige Quadratmeter groß. „Ich fühle mich wie damals, als ich angefangen habe in der Wirtschaft zu arbeiten. Ganz unten“, sagt Henkel und schaut aus dem Fenster. Sein Blick fällt auf den Dôme, die hölzerne Kuppel über dem Plenarsaal, in dem das Parlament an diesem Tag zum ersten Mal tagt. Henkel findet, der Dôme sehe aus wie ein riesiges Cidré-Fass.


Weiterlesen im Tagesspiegel

 

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