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Von der Mehrheit zur Präferenz

11.02.2015 - 22:30 Uhr, AfD-OPR

Seit dem Bundesparteitag in Bremen vor 10 Tagen enthält die neue beschlossene Wahlordnung als zusätzliches Wahlverfahren, das "Akzeptanzwahlverfahren".

Zur Einordnung dieses Wahlverfahrens, bietet sich zuerst

einmal eine, notgedrungen einfache Übersicht der üblichen bzw. gebräuchlichen Wahlverfahren an. Deshalb an der Stelle die vier gebräuchlichen Grund-Wahlverfahren - von einfach bis kompliziert:

(Hinweise auf Unsinn im Text von mir, bzw. zu anderen gebräuchlichen Wahlverfahren sind ausdrücklich erwünscht - bitte die Kommentarfunktion nutzen.)


1. Mehrheitswahl

Jeder Wähler kann aus einer Liste mit mehreren Kandidaten genau einen auswählen. Durch die Anzahl der Stimmen, die auf jeden Kandidaten entfällt, ergibt sich dann eine Rangfolge.

Beispiel:
Micky Maus bekommt meine Stimme
Donald Duck bekommt meine Stimme nicht
Schnatterinchen bekommt meine Stimme nicht
Pittiplatsch bekommt meine Stimme nicht.


2. Zustimmungswahl

Bei der Wahl durch Zustimmung hat der Wähler die Möglichkeit, für beliebig viele der aufgelisteten Kandidaten zu stimmen. Der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält, ist gewählt - bzw. auch hier ergibt sich wieder eine Rangfolge.

Beispiel:
Micky Maus bekommt meine Stimme
Schnatterinchen bekommt meine Stimme
Donald Duck bekommt meine Stimme nicht
Pittiplatsch bekommt meine Stimme nicht


3. Vorzugswahl (Grand-Prix-Wahl wäre eine Variante)

Bei der Vorzugswahl wird die Zustimmung zu den Kandidaten durch Vergabe von Punkten unterschiedlich gewichtet. Aus diesen unterschiedlichen Punkterangfolgen wird dann durch Addition der Punkte die Rangfolge der einzelnen Kandidaten gebildet.

Vorgehen: So viele Maximalstimmen wie Kandidaten. Mein "Lieblingskandidat" bekommt die Maximalzahl, und zusätzliche Kandidaten bekommen dann jeweils einen Punkt weniger. Man muß aber nicht allen Kandidaten Stimmen geben.

Beispiel:
Micky Maus bekommt von mir 4 Stimmen
Schnatterinchen bekommt von mir 3 Stimmen
Donals Duck bekommt von mir 2 Stimmen
Pittiplatsch bekommt keine Punkte


4. Präferenzwahl

Die Präferenzwahl ist im Prinzip eine "erweiterte" Vorzugswahl mit einigen Unterschieden - und einer deutlich aufwändigeren Auswertung

1. Jeder Wähler kann an die Kandidaten Punkte zwischen –6 und +6 verteilen. Dadurch wird eine Reihenfolge festgelegt: Je mehr Punkte ein Kandidat erhält, desto besser. Positive Punkte bedeuten Zustimmung. 0 Punkte Enthaltung, Negative Punkte Ablehnung. Mehreren Kandidaten kann dieselbe Punktzahl gegeben werden. „Sprünge“ in der Punktevergabe (also +6 Punkte für den Erstwunsch und +3 Punkte für den Zweitwunsch) sind möglich.

Beispiel:
Micky Maus bekommt von mir +6
Schnatterinchen bekommt von mir +4
Donald Duck bekommt von mir 0
Pittiplatsch bekommt von mir -3

2. Nach Addition der Punkte für die einzelnen Kandidaten wird das Feld um die Kandidaten "bereinigt", die mehr negative als positive Punkte haben. In dem Fall würde also Pittiplatsch aus der weiteren Auswertung rausfallen (wenn andere Wähler das auch so sehen würden bei der Punktevergabe für  ihn).

3. Im nächsten Schritt wird dann - üblicherweise mit dem Schulze-Verfahren - aus den übriggebliebenen Kandidaten eine Rangliste ("Präferenzliste") erstellt - die sich dann aber nicht mehr aus den Punkten ergibt, sondern die Liste wird aus einem direkten Vergleich ALLER möglichen Zweierkombinationen der Kandidaten erstellt - es wird also praktisch jeder mit jedem verglichen - was bei mehreren Kandidaten dann einen ganz schönen Datenstau ergeben kann - und der Kandidat gewinnt die Wahl, der im direkten Vergleich mit allen anderen Kandidaten gewinnt, und mehr Zustimmungen als Ablehnungen erhält.

Das ergibt dann bei 3 bis 6 Kandidaten eine relativ hübsch-übersichtliche "Beziehungsgrafik", die der eine oder andere vielleicht schon einmal gesehen hat ...

 

... aber ab ca. 10 Kandidaten sollte man die entsprechende Auswertung dann wohl tunlichst einem PC-Programm überlassen ... ;)

Das als Akzeptanzwahlverfahren neu in die Bundessatzung aufgenommene Verfahren probiert da - meiner Meinung nach - etwas den "Spagat" zwischen "2. Zustimmungswahl" und "3. Vorzugswahl".

Kann man natürlich machen. Aber für die demnächst anstehende Neufassung der Landessatzungen/Verordnungen in Brandenburg, fände ich persönlich eines der beiden in "Reinkultur" doch besser - vorzugsweise dann Variante 3 - da die deutlich verbesserte "Meinungsabstufung" in dieser Variante zwischen den Kandidaten, den Mehraufwand bei der Auszählung rechtfertigt.

Variante 4 - das mit der Präferenz - macht das alles wahrscheinlich am "gerechtesten" - aber ob das Quentchen mehr Gerechtigkeit den doch deutlichen Mehraufwand der Stimmenauszählung rechtfertigt? Speziell die Fehleranfälligkeit bei der Dateneingabe macht mir da Sorgen.

 

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